• Livia Koller
  • 11. Dezember 2023
  • 14 Min. Lesezeit

Im Interview mit Bruno SchĂ€r möchten wir mehr ĂŒber das innovative, nachhaltige Konzept erfahren.

Vom konkreten Problem zur zukunftstrÀchtigen Lösung

Bei der Entsorgung eines wunderschönen Weihnachtsbaums vor ein paar Jahren hatte Bruno SchÀr ein schlechtes Gewissen. "Es kann doch nicht sein, dass man bei diesem Klimawandel BÀume nach zwei Wochen einfach so wegwirft", dachte er sich und suchte nach einer Lösung, um ChristbÀume weiter leben zu lassen.
Die BĂ€ume sollen weiterhin CO2 und Wasser binden und den fĂŒr uns lebensnotwendigen Sauerstoff produzieren können. Doch wie?

Inspiriert von seinen Freunden entstand die Idee, lebende BĂ€ume in einem Mietmodell, so quasi in einem Full-Service anbieten zu können. Bei der Marktrecherche stiess er auf Anbieter, welche die BĂ€ume ebenfalls im Topf anbieten, jedoch ohne RĂŒcknahme, ohne Wiederanpflanzung und im Plastiktopf.

Nachdem Bekannte von gĂŒnstigen jedoch schnell eingegangenen BĂ€umen berichteten und da er mit Plastiktöpfen keinen unnötigen Abfall generieren wollte, war klar - keine Plastiktöpfe.

Mit all diesen Informationen im GepĂ€ck, entwickelte er sein Ziel: ZukĂŒnftig eine umweltschonende und nachhaltige Dienstleistung anbieten zu können bei welcher die BĂ€ume eine grosse Überlebenschance haben, und kein Plastikabfall entsteht.


2 Baeume

Den Witterung standgehalten

Bruno SchĂ€r stellte bald fest, dass grosse Herausforderungen gemeistert werden mĂŒssen. FĂŒr die Produktion einer grossen Menge an verfĂŒgbaren BĂ€umen hĂ€tte es Jahre gedauert bis eine entsprechende Baumkultur aufgebaut wĂ€re. Eine Baumschule mit viel Erfahrung musste her. Da Bruno SchĂ€r im ersten Jahr mindestens 200 BĂ€ume vermieten wollte, musste auch ein Transportunternehmen mit einem grossen Fahrzeugpark gefunden werden. Last but not least stellte sich die wichtige Frage nach einem Topf-Produzenten.

Nach der Identifikation der Herausforderungen erstellte Bruno SchĂ€r ein Pflichtenheft fĂŒr jede Challenge. Dabei war bereits klar, dass er ungefĂ€hr im dritten oder vierten Jahr ĂŒber 1‘000 ChristbĂ€ume zu vermieten beabsichtigte.

In GesprĂ€chen mit Baumschulen zeigte sich, dass diese die Kriterien leider nicht erfĂŒllten. Musste er seine Idee aufgeben? ZufĂ€llig erfuhr er von einer grossen Baumschule im Kanton Bern von einer Baumschule im Kanton GraubĂŒnden. Der Erstkontakt mit dieser Baumschule war sehr interessant und erfolgsversprechend. Weitere GesprĂ€che gipfelten dann Ende 2020 in einen Partnerschaftsvertrag fĂŒr eine gemeinsame Zusammenarbeit. Alle Anforderungen wurden bestens erfĂŒllt: Grosse Auswahl an Baumsorten bis rund 12 m Höhe, eigener Fahrzeugpark und ĂŒber 20 Jahre Erfahrung hinsichtlich der Kultivierung von ChristbĂ€umen in Topf.
Somit blieben nur noch zwei Baustellen: Der Produzent von biologisch abbaubaren Töpfen und der Bau eines Webshops. Bruno SchĂ€r suchte in der ganzen Welt nach Topfproduzenten und wurde einfach nicht fĂŒndig. Kein Produzent hatte jemals Töpfe grösser als 2 Liter produziert. Nach diversen Evaluationen von potenziellen Anbietern und zahlreichen Testings, war schliesslich ein Anbieter mit Töpfen höchster QualitĂ€t gefunden.

Es wurden zwei neue und teure Pressformen gezeichnet und geordert und aufgrund der guten Erfahrung zeichnete Bruno SchĂ€r auch die Pressform fĂŒr den 45 Liter Topf. Die Pressform wurde wiederum in kurzer Zeit hergestellt, sodass BĂ€ume bis 2 m Höhe in biologisch abbaubaren Töpfen ausgeliefert werden konnten. Eine Knacknuss dabei war, dass der Topf sich wĂ€hren 6 Monaten nicht verformen darf, er jedoch nach Wiederanpflanzung der BĂ€ume mitsamt Topf verrotten muss. Dieses Ziel wurde auch erreicht. Bei der Verrottung resultiert wertvoller Humus mit DĂŒnger, was den Einsatz von DĂŒngemittel drastisch reduziert.

"Wir sind sehr dankbar und auch ein wenig stolz, bereits in der zweiten Saison im Jahre 2022 rund 700 BÀume vermietet zu haben. Damit wurden wir zu einem der grössten Anbieter von ChristbÀumen im Topf, notabene im biologisch abbaubaren HAPPY TREE Naturfasertopf. Bereits im Jahr 2022 bestellten nicht nur Privatkunden BÀume. Auch einzelne grosse GeschÀftskunden bestellten erstmal lebende HAPPY TREEŸ WeihnachtsbÀume mit intakten Wurzeln."

IMG 8251 HAPPYTREE retuschiert
Bruno Schaer CMD 4330

Wie geht es weiter mit Happy Tree?

JĂ€hrlich werden rund eine Million WeihnachtsbĂ€ume fĂŒr Schweizer Kunden geschlagen. Wir wollen einen möglichst grossen Anteil dieser BĂ€ume retten. Als nĂ€chstes grosses Ziel gilt es die Marke von eintausend BĂ€umen zu knacken. Dies werden wir bestenfalls bereits im Jahr 2023 erreichen und in fĂŒnf Jahren beabsichtigen wir die Grenze von fĂŒnftausend BĂ€umen zu knacken.

IT technisch sind wir fĂŒr Standard-BĂ€ume bis 2 Meter Höhe voll digitalisiert. FĂŒr das Offertwesen muss unser Bestellabwicklungs-System erweitert werden, um auch die Erstellung von Offerten bis zur Verrechnung digital vornehmen zu können.

FĂŒr den Bereich Logistik wurde bereits eine integrierte Transport-Software inkl. Tourenplanung und Order-Tracking-Lösung evaluiert. Diese soll nun von der Baumschule beschafft und implementiert werden.

GrĂŒnderteam: Adrian Suter und Bruno SchĂ€r
GrĂŒnderteam: Adrian Suter und Bruno SchĂ€r

Die Gesichter hinter Happy Tree

Bruno SchĂ€r, GrĂŒnder, Inhaber und GeschĂ€ftsfĂŒhrer

Seit der GrĂŒndung von HAPPY TREE ist Bruno die treibende Kraft bezĂŒglich allen AktivitĂ€ten. Er durfte das Privileg geniessen, in einem Haus mit Garten aufzuwachsen. Dabei war die Baumpflege ein grosses Thema und er zĂŒchtete an die zwanzig TannenbĂ€ume. Bruno’s erfolgreiche berufliche Karriere fĂŒhrte ihn ĂŒber verschiedene Stationen und Branchen bis hin zur KĂŒnstlichen Intelligenz in der Medizintechnik. Zu seinen Kunden gehörten 3 UniversitĂ€ts- und mehrere KantonsspitĂ€ler. Als Junior-Partner in einer Software-Firma begeisterte Bruno die SNB, etliche Kantonalbanken und viele internationale Institute aber auch Privatbanken wie Bank Sarasin. Als Familienmensch mit zwei Jungs hatten er jedes Jahr einen Weihnachtsbaum. Einen geschlagenen, zum anschliessenden Wegwerfen. Im Januar 2020 blutete ihm beinahe das Herz beim Entsorgen einer wunderschönen Nordmann-Tanne. Weltweit rĂŒcken Umweltthemen in die BildflĂ€che und er fasste den Entschluss, einen Beitrag zu leisten. ZufĂ€llig erfuhr er von kompostierbaren, robusten Naturfaser-Töpfen. Somit können BĂ€ume mit Wurzeln gesetzt und nach Weihnachten mitsamt Topf im Wald oder in der Baumschule wieder gepflanzt werden, wobei der Topf nicht nur verrottet, sondern zudem als natĂŒrlicher DĂŒnger wirkt. Er fĂŒhlt sich ausserodentlich glĂŒcklich, Ihnen unser ökologisches und nachhaltiges Mietkonzept von HAPPY TREEÂź und HAPPY PLANTÂź anbieten zu können. Bei der Verbesserung unserer Ökobilanz wird Bruno von befreundeten, innovativen Experten tatkrĂ€ftig unterstĂŒtzt.


Adrian Suter, Gesellschafter und Business Development

Adrian hat sich schon als Jugendlicher fĂŒr Reisen im Zusammenhang mit der Natur interessiert. So konnte er in den USA und Kanada die grossen WĂ€lder entdecken. Heute bestaunt er auch immer wieder auf WaldlĂ€ufen und Wanderungen die Schweizer Naturschutzgebiete im Engadin und dem Berner Oberland. Als Kind hatte er sich immer auf dem Weihnachtsmarkt einen geschlagenen Tannenbaum abgeholt und spĂ€ter als Vater wĂ€hlte er oft im lokalen Wald (Baumplantage) eine Nordmanntanne aus, die er dann nach dem Schlagen mit seiner Tochter nach Hause trugen. Die TannenbĂ€ume wurden jeweils etwa zwei Wochen nach Weihnachten via Gemeinde entsorgt und verbrannt. Aus seiner heutigen Sicht ist dieser «One Way Prozess» eines Oster- oder Weihnachtsbaumes nicht mehr zeitgemĂ€ss und muss aus ökologischen GrĂŒnden unbedingt durch einen wiederverwendbaren Baum abgelöst werden. Darum engagiert er sich bei den GrĂŒndern und Freunden von HAPPY TREE Âź und HAPPY PLANTÂź fĂŒr einen nachhaltigen Baumprozess basierend auf wiederverwertbaren Schweizer StrĂ€uchern und BĂ€umen aus dem BĂŒndnerland, welche die Wurzeln behalten dĂŒrfen. Im beruflichen Bereich beschĂ€ftige sich Adrian mit der Automatisierung und Digitalisierung von komplexen IT-GeschĂ€ftsprozessen. Privat ist er am Bauen eines neuen Eigenheimes nach den strengen Minergie-P GrundsĂ€tzen.


Die Vision

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass in Zukunft fĂŒr Weihnachten KEINE BĂ€ume mehr geschlagen werden. Dadurch leisten wir einen substanziellen Beitrag zur Klimaverbesserung.

Unsere Visionen: Verbesserung der Gesundheit durch Begrenzung des Klimawandels und Reduktion von Plastikabfall und Umweltbelastung.

Unsere Visionen erreichen wir mit einer einzigartigen Kreislaufwirtschaft mittels mehrfach verwendbaren HAPPY TREEŸ WeihnachtsbÀumen. Mit ungeschnittenen Wurzeln im biologisch abbaubaren HAPPY TREEŸ Naturfaser-Topf.

Damit kombinieren wir Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Gesundheit mit Momenten voller Freude, bezaubernder Ästhetik und einfachster Pflege. Denn nur lebende Pflanzen vermögen CO2 und Feinstaub zu binden sowie Sauerstoff zu produzieren.